Kurz nach meinem Schulabschluss habe ich jeden beneidet der genau wusste welchen Weg er oder sie einschlagen wollten. Eine Ausbildung bei der Bank, im Krankenhaus, Lehramt oder Wirtschaft studieren waren 1999 in Gelsenkirchen beliebte Optionen. Ich hingegen hatte wirklich keine Ahnung was der richtige Weg für mich ist, also habe ich verschiedene Dinge ausprobiert. Krankenpflegeausbildung, Lehramtsstudium…aber irgendwie hat sich nichts richtig angefühlt. Erst als ich mit 30 meinen Bachelor in Anglistik abschloss und nach Australien ausgewandert bin, stellte sich zum ersten mal das Gefühl ein, dass ich nicht mehr versuche mein Leben in die Förmchen anderer Menschen zu pressen.

Karriere ist für jede(n) etwas Anderes

Endlich mache ich das was sich für MICH richtig anfühlt. Mit viel Freude hatte ich u.a. meine Fossil Filiale in Brisbane geleitet. Ich meine, welche Frau mag nicht den ganzen Tag von Handtaschen, Uhren und Schmuck umgeben sein. Als es 2015 aber Zeit war zurück zu meiner Familie nach Deutschland zukommen, war ich bereit für einen Karrieresprung. Ich war überzeugt, dass es ein Leichtes sein würde mit meiner Auslandserfahrung einen tollen Job zu ergattern.

Australien lädt zum Auswandern ein und zum Karriere machen.

Doch dem war leider nicht so. Ich konnte keinen Bürojob bekommen, da ich keine Bürokaufmännische Ausbildung abgeschlossen hatte. Das mit dem Studium und der Filialleitung interessierte hier niemanden, ohne Ausbildung kein Job. Ich war verzweifelt und fand mich schließlich als Empfangsdame, in einer nicht besonders glamourösen Firma für Maschinenbauteile, wieder. Glücklicherweise hat der Leiter der Personalabteilung relativ schnell mitbekommen, dass ich nicht nur schnell Telefonate weiterleiten und internationale Gäste perfekt auf Englisch begrüßen konnte. Ihm verdanke ich meinen ersten Kontakt zur “digitalen Welt”. Im Online Marketing suchte man jemanden der Texte für die amerikanische Webseite schreiben und eine gute Beziehung mit den Kollegen im Land der Cowboys aufbauen sollte. Ich war Feuer und Flamme!

Ausland im Inland

Im Online Marketing hatte ich keine Erfahrung, aber neue Kontakte über Ländergrenzen hinaus aufbauen? Das konnte ich! Die Zusammenarbeit war toll, ich hatte sogar zwei Mal die Gelegenheit an die Ostküste der USA zu fliegen und meine Kollegen persönlich kennenzulernen und mit einigen bin ich heute noch befreundet. Schnell wurde ich von der Content Schreiberin zur Web Projektleiterin was mir sehr geholfen hat von meinem heutigen Arbeitgeber auf LinkedIn gefunden zu werden. Vor 1,5 Jahren hat man mir eine Stelle als Technische Projektleiterin in der Softwareentwicklung angeboten, die mir auch heute noch richtig viel Spaß macht.

So oft wurde mir früher gesagt, dass Technik nur was Jungs ist, das Mädchen nun mal immer schlecht in Mathe sind. Ich hoffe sehr, dass sich Frauen und Mädchen heute nicht mehr so einen Quatsch einreden lassen. Sich trauen in die Informatik/ Programmier Kurse zu gehen, egal ob online oder in der Uni, denn es ist eine tolle Welt mit so vielen Möglichkeiten.  Auch für Quereinsteiger!

Heute bin ich Mentorin für eine junge Kollegin die genau das anstrebt und betreue bald 3 Entwicklerteams in Köln/ New York und plane Projekte mit Teams in Israel, Indien und Kanada. Das hätte ich mir mit 19 nie vorstellen können. Auch nicht mit 30.

Sollte jetzt jeder anfangen Englisch zu studieren und 6 Jahre in Australien leben? Auf gar keinen Fall. Ich wünsche dir von Herzen, dass du deinen Weg schneller findest als ich.

Ans Herz legen möchte ich dir nur zwei Dinge:

1. Es kann sich bezahlt machen ein Bisschen flexibel zu sein wenn man seiner Leidenschaft folgt – auch Umwege können ans Ziel führen.

2. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel, du weisst nie wer dir eine Chance geben kann auf die du nie selbst gekommen wärst.

Zusatzinfos zu European Women in Tech Conference:

Die Firma für dich ich arbeite, Nielsen Global Media, hat ein internes „Women in Tech“ Programm über das wir versuchen mehr qualifizierte und motivierte Frauen anzusprechen und Frauen innerhalb der Firma zu fördern. Ich arbeite aktiv in dieser Gruppe mit und moderiere im Wechsel mit anderen Kollegen kleine online Sessions wo Kollegen aus der ganzen Welt ihre aktuellen Projekte vorstellen und wir besonders die weiblichen Teammitglieder ermutigen zumindest einen Teil der Präsentation zu halten um ihnen mehr Sichtbarkeit zu geben.


Im Rahmen dieser Arbeit war ich im vergangenen November in Amsterdam bei der „European Women in Tech“ Konferenz die dieses Jahr komplett online stattfinden wird. Hier kommen Frauen aus der Tech Szene zusammen um zu inspirieren und sich auszutauschen. Es gibt tolle Vorträge und Workshops, Firmen die sich vorstellen und nach Kandidatinnen suchen, einfach mal auf der Webseite selbst anschauen.

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