Wenn wir über das Netzwerken und das gegenseitige Supporten sprechen, tun wir das nicht nur, weil es nett ist oder Kaffee gut schmeckt. Wir tun es, weil der Markt nach wie vor eine gewaltige Schieflage hat.

Die neuesten globalen Daten des Founders Forum (2025/2026) zur Verteilung von Risikokapital (Venture Capital) zeigen deutlich: Die Kluft zwischen Gründern und Gründerinnen ist riesig. Aber die Zahlen verraten auch, wo die Hebel für die Zukunft liegen – und warum regionale Ökosysteme wie unseres in der Städteregion Aachen die Rettung sein können.

Lass uns einen Blick auf die Fakten werfen und schauen, was sie für dein Business bedeuten.

Die Reality-Check-Zahlen: Wer bekommt das Geld?

Der weltweite Blick auf die Verteilung von Funding-Geldern zeigt ein Bild, das uns wachrütteln sollte:

  • Das 2,3 %-Dilemma: Gerade einmal 2,3 % des globalen Risikokapitals ging an reine Gründerinnen-Teams.
  • Die Dominanz: Satte 83,6 % flossen in Teams, die ausschließlich aus Männern bestehen.
  • Die Brücke: Mixed-Teams (also Gründer:innen-Teams, in denen mindestens eine Frau und ein Mann im Lead sind) sicherten sich 14,1 % des Kapitals.

Der Trend für die Zukunft: Daten aus dem letzten Jahr zeigen, dass das Volumen insgesamt zwar leicht steigt, das Geld sich aber oft auf wenige, extrem große Runden (Megadeals) konzentriert – vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), wo Frauen in gemischten Teams starke Akzente setzen. Trotzdem bleibt das Fundament für Solo-Selbstständige und reine Frauenteams dünn.

Warum ist das so? Die Barrieren hinter den Kulissen

Die Statistik beleuchtet auch die tieferen Ursachen. Es fehlt Frauen meistens nicht an guten Ideen oder Businessplänen, sondern an den richtigen Hebeln:

1. Die „Empfehlungs“-Hürde

82 % aller Venture-Capital-Deals entstehen durch  persönliche Empfehlung oder ein Kennenlernen über Ecken. Das Problem? Gründerinnen haben eine um 38 % geringere Wahrscheinlichkeit, direkte, informelle Zugänge zu Investor*innen in ihren Netzwerken zu haben.

2. Das fehlende „erste Geld“ 

Bevor große Investor*innen einsteigen, braucht es oft das erste Kapital von „Friends and Family“ oder Business Angels. Frauen haben statistisch gesehen 53 % weniger Zugang zu privaten Netzwerken, die in der ganz frühen Phase finanziell aushelfen können. Zudem sichern sich Frauen seltener Kredite (Debt Finance) und bootstrappen (finanzieren sich aus dem laufenden Cashflow) im Schnitt 2,2-mal länger als Männer, was das Wachstum verlangsamen kann.

3. Zu wenig Entscheiderinnen am Hebel

Nur rund 15,4 % der Partner- oder Entscheidungspositionen in VC-Firmen sind mit Frauen besetzt. Da Menschen unbewusst oft nach Ähnlichkeiten entscheiden („Pattern Matching“), fließt das Geld seltener zu Frauen, solange die Investment-Komitees rein männlich besetzt sind.

 

Mehr Frauen* als Gründerin und Unternehmerinnen

Was bedeutet das für uns in Aachen und der Städteregion?

Diese globalen Zahlen klingen erst einmal ernüchternd. Aber genau hier liegt unsere Superkraft, wenn wir das Ganze lokal betrachten! Wir können das globale System nicht von heute auf morgen umkrempeln, aber wir können unser eigenes Ökosystem in Aachen, Würselen, Eschweiler und Monschau gestalten.

Hebel 1:  Empfehlungen sind Gold wert

Wenn 82 % der Deals über Empfehlungen laufen, dann müssen wir uns gegenseitig diese Türen öffnen! Wenn du beim nächsten BizzConnect eine andere Unternehmerin triffst, denk einen Schritt weiter: Wen kenne ich, der ihr weiterhelfen könnte? Welchen Kund:innen oder Investor:innen kann ich sie empfehlen?

Hebel 2: Mixed-Teams und Kooperationen nutzen

Die Daten zeigen, dass Mixed-Teams deutlich mehr Funding anziehen als reine Frauenteams (14,1 % vs. 2,3 %). Das ist kein Grund, nicht als Frau alleine zu gründen aber es zeigt, wie wertvoll strategische Partnerschaften sind. Nutze Netzwerke, um Co-Gründer*innen oder Partner*innen zu finden, die komplementäre Fähigkeiten mitbringen.

Hebel 3: Sichtbarkeit puschen

Immerhin gibt es einen positiven Trend: Die Sichtbarkeit von Gründerinnen in Tech-Medien und großen Podcasts hat sich in den letzten Jahren teilweise verdoppelt. Wir müssen präsent sein, unsere Erfolge teilen und uns für regionale Preise nominieren.

Hebel 4: Mut haben und für dich einstehen

Wie oft hören wir von Frau mit Bizz „Ja, kann ich da denn einfach anrufen oder die Person ansprechen?“ oder „Ich traue mich nicht, denn ich weiß ja nicht, ob es klappt.“

Wir geben dir mit unserer Community nicht nur die Erlaubnis: Wir möchten dir Mut machen, dich für dich selber einzusetzen und einzustehen. Der erste Schritt muss, wie so oft im Leben von dir kommen. Wir sind der Halt und die Hood, die du im Rücken hast. Oftmals zeigen wir uns nicht vor Sorge „zu sehr aufzufallen“ oder „nicht gut genug zu sein“ oder anderen Glaubenssätzen. Das betrifft dich nicht nur als Gründerin, sondern Unternehmerin oder auch Frau, die überlegt sich selbstständig zu machen. Warum es nicht versuchen? Warum auf den perfekten Tag dafür warten. Warum nur an alle Risikos und Gefahren denken, anstatt an das, was daraus entstehen könnte! Trau dich!

Fazit: Aus Zahlen, Taten machen

Die Funding-Statistiken zeigen, dass der Weg zu echter finanzieller Gleichberechtigung im Business im Jahr 2026 noch lang ist. Aber sie zeigen vor allem, dass isoliertes Arbeiten ein Wachstumsbremser ist.

Indem wir uns zusammenschließen, Infos teilen, Allianzen schmieden und als Community füreinander einstehen, bauen wir genau das Netzwerk auf, das Frauen den Zugang zu Kapital, Kund*innen und Erfolg sichert.

Lass uns als auch bei Frau mit Bizz die 2,3 % gemeinsam nach oben schrauben. 

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